Der Begriff „Mia feiern“ hat beim Waldfest vom Trachtenverein GTEV „Immergrün“ Au Jahrzehnte lange Tradition und heuer durch verschiedene Höhepunkte erneut bedeutenden Stellenwert erfahren. Hochkarätige Blaskapellen, wie zu Beginn beim Wein- und Bierfest die Auer Musi, leisteten ihren Beitrag für erstklassige Waldfeststimmung. Schon zum guten Brauch gehörend gönnte der Himmel auch in diesem Jahr den Auer Trachtlern statt ein drei- nur ein zweitägiges Fest unter freiem Himmel. Gewitter und heftige Regenschauer ließen das am Sonntag geplante Familienfest buchstäblich ins Wasser fallen.

Angenehme zwei laue Abende, die für manche bis spät in die Nacht dauern sollte, veranlasste überaus zahlreiche und vor allem nette Gäste, aus Au und dem Gemeindebereich und darüber hinaus das traditionsreiche Gelände im „Schwimmbadhölzl“ in Au, als heimliches Naturdenkmal aufzusuchen.

 

Zwei Rolandsbrüder auf der Walz mit Rast in Au

Darunter Maurer Robin Semsch“ aus Leningen und Zimmerer „Frederic Cammerer“ aus „Schurwald/Adelberg“, die sich in diesen Tagen im Bad Feilnbacher Gemeindegebiet aufhalten. Beide sind Handwerksburschen aus der „Schwäbischen Alb“ und pflegen als Gemeinschaft der „Rolandsbrüder“ die Tradition der sogenannten „Walz“. Seit zwei bzw. drei Monaten streifen sie auf freiwilliger Basis quer durch die Lande, waren zuletzt in Norddeutschland an der Nord- und Ostsee, in der Schweiz und bewegen sich demnächst in Richtung Österreich. Ihren Unterhalt bestreiten sie durch Arbeit zwischen drei und sechs Monaten bei verschiedensten Handwerksbetrieben entsprechend ihres Berufsstandes. Die Gesamtdauer ihrer Wanderschaft, gekleidet entsprechend ihrer Zunft und mit Wanderstab dauert entsprechend ihrer Satzung mindestens drei Jahre und einen Tag. Während dieser Zeit gilt es den Heimatort im Umkreis von 60 Kilometern zu meiden. Voraussetzung ist dabei Familienstand ledig, schuldenfrei und Mitglied in einer Gewerkschaft.

Den derzeitigen Aufenthalt in der Region unterm Wendelstein bezeichneten die beiden Wandersburschen als überaus angenehm und schätzten die freundliche Gastlichkeit,  die ihnen durch Alois Hemeter, Vorstand vom Auer Trachtenverein“ sowie vielen anderen heimischen Bürgerinnen und Bürgern entgegen gebracht wurde.

 

Brauchtumstänze, Holzhacker und Plattlerpremiere Au-Bad Feilnbach

Wie schon am Eröffnungsabend, kennzeichneten vollbesetzte Bierbänke das Bierfest am zweiten Abend die frivole und heitere Kulisse, die den Verantwortlichen vom Waldfestausschuss des Trachtenvereins ihre Herzen höherschlagen ließ. Für Stimmung sorgte die Trachtenkapelle Dettendorf unter der Leitung von Josef Schweiger. Im Fokus vieler Besucher standen nach gutem Brauch die mannschafts- und auch leistungsstarken Kinder- und Jugendgruppen des Vereins. Bodenständiges und Heimat verbundenes Kulturgut spiegelten einzigartig dargebotenen Brauchtumstänzen sowie schneidigen Plattlern wider und bestätigten einmal mehr eine vorbildliche Arbeit des Jugendwarts, der Dirndlvertreterin und der Vorplattler. Bewundert von einigen Gästen wurde das saubere Erscheinungsbild, für das zur Sache stehende Eltern sorgten.

Für Überraschungen sorgten jedoch die „Aktiven“. Zunächst die Auer Trachtler mit einem kraftvollen „Holzhacker“, bei dem sich in den vorderen Reihen sitzende Besucher auf manches fliegende Holzteilchen freute. Ein weiterer Leckerbissen in Sachen Brauchtumskultur machte jedoch Geschichte, die sowohl beim gastgebenden Trachtenverein als auch beim GTEV „D´Jenbachtaler“ Bad Feilnbach in die Geschichtsbücher eingehen dürfte. Zum Erstenmal in der Waldfestgeschichte und hervorragend gelungene Premiere boten beide Aktive Gruppen zusammen einen flotten und schneidigen „Mooswinkler“ als Plattler. Begeistert unter dem Zeichen „Mia feiern“ und können es auch gemeinsam war nicht nur ein fasziniertes Publikum, sondern erst recht Marinus Moser und seine Vorstandschaft vom Nachbarsverein und auch Alois Hemeter und sein Team aus Au.

Andrang herrschte ebenso an der Schießbude der Auer Hubertusschützen sowie in der bis zur fortgeschrittenen Stunde bestens gefüllte Bar.

 

Bad Feilnbach, den 21.07.2019

P. Strim